Bei der Auswahl von Präzisionsgetrieben wieHarmonikgetriebenundRV-Getriebenist es wichtig zu berücksichtigen, ob ein Flansch erforderlich ist und welche Rolle er im Gesamtkonzept der Mechanik spielt.
Ein Flansch dient in erster Linie der Verbindung, Positionierung, Lastaufnahme und -übertragung sowie der Montagegenauigkeit. Er ist weit mehr als ein mechanisches Bauteil, das lediglich zur Befestigung dient. Er beeinflusst unmittelbar die Montagegenauigkeit und die Betriebsstabilität der Schnittstelle zwischen Getriebe und Motor, Roboterachse oder anderer Ausrüstung.
Um die Funktion eines Getriebeflansches zu verstehen, müssen wir zunächst die grundlegenden technischen Prinzipien von Flanschen als mechanischen Bauteilen betrachten und anschließend ihre konkreten Funktionen in Präzisionsantriebssystemen untersuchen.
Hallo zusammen, ich bin Theodore Li, Technischer Direktor bei HONPINE.
Im Maschinenbau ist eine Flanschverbindung nicht einfach ein einzelnes Bauteil, sondern ein integriertes System. Der Flansch verfügt über Schraubenlöcher und eine Dichtfläche, die Schrauben erzeugen die Klemmkraft, und die Dichtung verformt sich unter Druck und füllt so mikroskopisch kleine Spalten an den Dichtflächen.
Die Abdichtung beruht nicht allein darauf, dass das Flanschmaterial als physische Barriere wirkt. Sie hängt vielmehr vom kraftschlüssigen System aus Schrauben, Dichtung und Flansch ab.
Ist die Vorspannkraft zu gering, wird die Dichtung nicht ausreichend zusammengedrückt. Ist sie zu hoch oder ungleichmäßig verteilt, kann sich der Flansch plastisch verformen oder verziehen. Die Leistung einer Flanschverbindung hängt daher von der gesamten Baugruppe ab und nicht allein vom Flansch.
Ein wichtiger Vorteil eines Flansches ist seine Lösbarkeit. Anders als Schweißverbindungen oder Presspassungen lässt sich eine Flanschverbindung wiederholt montieren und demontieren, ohne die Verbindungsfläche zu zerstören. Dadurch zählen Flansche zu den am häufigsten verwendeten Verbindungsarten in Rohrleitungssystemen, Druckbehältern und rotierenden Maschinen.
Flansche sind im Vergleich zu vielen anderen mechanischen Bauteilen außerdem stark standardisiert. Stahlrohrflansche verwenden beispielsweise zwei wichtige Systeme zur Angabe des Nenndrucks: PN und Class. Zu den Dichtflächen gehören Flachdichtflächen, Dichtflächen mit Vorsprung, männlich-weibliche Ausführungen, Nut-und-Feder-Ausführungen sowie Ringverbindungen.
Jede Klassifizierung entspricht bestimmten Maßanforderungen, Werkstoffen und Druck-Temperatur-Kennwerten. Einzelheiten wie der Lochkreisdurchmesser, die Rauheit der Dichtfläche und die Eingriffstiefe der Schrauben lassen sich bei der Montage nicht einfach durch Sichtprüfung bestimmen.

Ein Getriebe enthält ein Präzisionsantriebssystem aus Zahnrädern und Lagern. Flansche können sich an der Eingangsseite zwischen Getriebe und Motor, an der Ausgangsseite zwischen Getriebe und angetriebener Maschine oder an der Trennfuge des Gehäuses befinden.
Hengchi Transmission fasst die Funktionen von Getriebeflanschen als Verbindung, Abdichtung und Lastaufnahme zusammen. Das ist ein sinnvoller Ausgangspunkt, doch in Präzisionsantriebssystemen hat jede dieser Funktionen eine zusätzliche Konsequenz: die Genauigkeit.
In einem Rohrleitungssystem wirkt sich eine Fehlausrichtung des Flansches in erster Linie auf die Dichtheit aus. Bei einem Getriebe kann eine Fehlausrichtung an der Flanschschnittstelle zusätzlich die Verzahnungsverhältnisse und die Lastverteilung in den Lagern beeinflussen.
Der Eingangsflansch befestigt das Motorgehäuse am Gehäuse auf der Eingangsseite des Getriebes, während der Ausgangsflansch das Getriebegehäuse am Maschinenrahmen befestigt.
Der Flansch selbst verbindet nicht direkt zwei rotierende Wellen. Das Drehmoment wird über Bauteile wie Kupplungen, Keilwellenverbindungen oder Hohlwellen zwischen den Wellen übertragen. Der Zentrierbund oder die Zentrierschulter des Flansches bestimmt jedoch, ob die verbundenen Wellen ausreichend genau koaxial ausgerichtet bleiben können.
In der Getriebedokumentation von Flender wird hervorgehoben, dass die Lebensdauer von Wellen, Lagern und Kupplungen weitgehend von der Genauigkeit der Wellenausrichtung abhängt. Die Ausrichtungsabweichungen zu minimieren, ist daher entscheidend. Übermäßige Winkel- oder Axialversätze zwischen verbundenen Wellen können zu vorzeitigem Verschleiß und Bauteilschäden führen.
Die Zentrierschulter eines Getriebeflansches trägt dazu bei, diese Abweichungen auf ein zulässiges Maß zu begrenzen.
Die Montagevorgaben von SEW-EURODRIVE verweisen beispielsweise auf DIN 42948 für die Toleranzen von Zentrierschultern an Flanschen. Für Zentrierschulterdurchmesser (b_1 leq 230) mm ist die Toleranz ISO j6 angegeben; für (b_1 > 230) mm gilt ISO h6.
Diese Toleranzklassen sind keine unverbindlichen Empfehlungen. Sie sind wichtig, damit die Zentrierschnittstelle im Bereich von wenigen zehn Mikrometern wirksam funktioniert.
Die Qualität des Kontakts zwischen den Montageflächen ist ein weiterer häufig übersehener Faktor.
Liegt der Montageflansch des Getriebes nicht richtig an der Montagefläche der Maschine an oder werden die Schrauben in der falschen Reihenfolge beziehungsweise mit ungleichmäßigem Drehmoment angezogen, kann sich das Gehäuse während der Montage geringfügig, aber möglicherweise folgenschwer elastisch verformen.
Eine solche Verformung ist bei stillstehender Maschine möglicherweise schwer zu erkennen. Dennoch kann sie die Ausrichtung der Lagerbohrungen und die Parallelität der Zahnradwellenachsen verändern.
Technische Analysen zeigen, dass montagebedingte Verformungen die Verzahnungsgenauigkeit mitunter stärker beeinträchtigen können als die ursprünglichen Fertigungstoleranzen des Getriebes.
Mit anderen Worten: Selbst ein präzise gefertigter Flansch kann einen Großteil seines Genauigkeitsvorteils einbüßen, wenn der Montageprozess nicht ordnungsgemäß kontrolliert wird.
Bei einem flanschmontierten Getriebe kann die Abtriebswelle über das Getriebe hinausragen, ohne in der Nähe des angetriebenen Bauteils direkt abgestützt zu sein. Radialkräfte, die durch Riemenscheiben, Kettenräder oder Zahnräder entstehen, können an der Abtriebswelle und ihren Lagern ein Biegemoment infolge der Überhanglast erzeugen.
In den technischen Unterlagen von SEW wird erläutert, dass solche Überhanglasten Wellen und Lager zusätzlich beanspruchen. Werden die zulässigen Grenzwerte überschritten, kann es zu einem vorzeitigen Lagerausfall kommen. In schweren Fällen kann die Welle sogar infolge von Biegeermüdung versagen.
Der Flansch soll das Biegemoment nicht stellvertretend für die Lager aufnehmen. Vielmehr befestigt er das Getriebegehäuse starr am Maschinenrahmen und trägt dazu bei, Reaktionsdrehmoment und äußere Lasten in die Tragstruktur einzuleiten, während die Gehäuseverformung begrenzt wird.
Diese Funktion erfordert ausreichende Steifigkeit, nicht nur eine ausreichende Festigkeit.
In der Dokumentation von Flender wird darauf hingewiesen, dass ein unzureichend steifes Fundament während des Betriebs radiale und axiale Verschiebungen von Getriebekomponenten verursachen kann, selbst wenn diese bei stillstehendem Getriebe nicht erkennbar sind.
Auch die Betriebsanleitung für Siemens SIMOGEAR setzt eine wichtige Grenze: Zusätzliche äußere Kräfte durch vom Anwender montierte Komponenten dürfen nicht auf das Getriebe einwirken. Außerdem darf das Getriebe beziehungsweise Getriebemotor nicht als tragende Abstützung für andere Komponenten verwendet werden.
Das technische Prinzip hinter dieser Einschränkung ist klar. Getriebeflansch und -gehäuse sind für das Reaktionsdrehmoment des Antriebs und die mit der vorgesehenen Montage verbundenen Lasten ausgelegt. Sie sind nicht automatisch dafür ausgelegt, das Gewicht oder die Trägheitslasten zusätzlicher Baugruppen zu tragen.
Wird das Getriebe als tragende Stütze verwendet, werden Kräfte und Biegemomente in einen Lastpfad eingeleitet, der möglicherweise nicht dafür ausgelegt oder geprüft wurde. Die daraus resultierende Gehäuseverformung kann die Verzahnungsverhältnisse im Inneren beeinträchtigen.
Wichtig ist auch, zwischen der mechanischen Spannung im Flansch selbst und der Kontaktspannung an der Flanschschnittstelle zu unterscheiden. Es handelt sich um zwei verschiedene physikalische Größen.
Bei einer Finite-Elemente-Analyse kann die mechanische Spannung in der Nähe eines Flanschübergangsradius mehrere hundert Megapascal erreichen. Im Gegensatz dazu liegt die Dichtungskontaktspannung unter üblichen Vorspannbedingungen häufig im Bereich von einigen zehn Megapascal.
Die Montagehinweise für GORE-Dichtungen nennen beispielsweise einen Auslegungsrichtwert für die Dichtungsspannung von 17 MPa (2,500 psi) sowie einen empfohlenen Mindestwert (Q_{min} L_{0.1}) von 21 MPa (3,045 psi).
Wer die maximale mechanische Spannung mit dem Kontaktdruck verwechselt, kann bei der Interpretation der tatsächlichen Kontaktspannung an einer vorgespannten Flanschverbindung Fehler um Größenordnungen machen. Bei der Verwendung technischer Daten müssen diese Größen klar voneinander unterschieden werden.
Getriebe enthalten Schmieröl, das unter normalen Betriebsbedingungen im Gehäuse verbleiben muss.
Die Abdichtung an der Ein- und Ausgangsschnittstelle muss zwei Ziele gleichzeitig erfüllen: Sie muss verhindern, dass Schmieröl nach außen austritt, und zugleich das Eindringen äußerer Verunreinigungen, Feuchtigkeit und korrosiver Stoffe in das Gehäuse verhindern.
Schmierstoffaustritt ist mehr als ein Wartungsproblem. Sinkt der Ölstand, werden Zahnräder und Lager möglicherweise nicht mehr ausreichend geschmiert, wodurch sich der Verschleiß beschleunigt.
Äußere Verunreinigungen können ebenso schädlich sein. Gelangen Staub und andere Partikel in den Zahneingriff oder auf die Laufbahnen der Lager, wirkt dies, als würde abrasives Material in ein Präzisionsantriebssystem eingebracht.
Aus diesem Grund umfassen Dichtungslösungen für Getriebeflansche häufig mehr als eine einfache Dichtung.
Die Montageanweisungen von SEW für bestimmte Adapter- und Flanschschnittstellen schreiben die Verwendung anaerober Flächendichtmittel wie Loctite 574 oder Loctite 5188 vor. Außerdem ist angegeben, dass das Dichtmittel nur auf eine der beiden Kontaktflächen aufgetragen und lückenlos verteilt werden soll.
Loctite 574 ist für starre Metallflanschverbindungen mit engem Spalt ausgelegt. Es kann Spalte von bis zu 0.25 mm füllen und härtet unter Luftabschluss aus. Nach der Montage bietet es Beständigkeit bei niedriger Druckbelastung.
SEW gibt für bestimmte Flanschschrauben außerdem folgende Anziehdrehmomente an:
M6: 12 Nm
M8: 28 Nm
M10: 56 Nm
M12: 96 Nm
M16: 235 Nm
Die zulässige Drehmomentabweichung beträgt ±15%.
Diese Werte verdeutlichen, dass die Flanschabdichtung ein Ergebnis des Gesamtsystems ist, das von mehreren Faktoren abhängt, darunter die Sauberkeit der Oberflächen, ein durchgängiger Auftrag des Dichtmittels und eine gleichmäßige Schraubenvorspannung.
Eine Abweichung bei nur einem dieser Faktoren kann dazu führen, dass die Dichtstelle bei Betriebstemperaturen und Vibrationen versagt.
Fußmontage und Flanschmontage sind mechanisch nicht gleichwertig.
Bei der Fußmontage wird das Gewicht des Getriebes vom Sockel getragen. Je nach Anwendung überträgt die Abtriebswelle möglicherweise hauptsächlich Drehmoment und ist dabei nur relativ geringen Radiallasten ausgesetzt.
Bei der Flanschmontage kann das Getriebe an seiner Montagefläche aufgehängt sein, sodass die Abtriebswelle Überhanglasten ausgesetzt ist. Die Lager müssen dann die daraus entstehenden Kräfte und Biegemomente innerhalb ihrer zulässigen Grenzwerte aufnehmen.
Dementsprechend können sich die zulässige Radiallast und das zulässige Biegemoment für Abtriebswelle und Lager je nach Montageart erheblich unterscheiden.
Der Flansch dient daher nicht nur als Montagefläche. Die gewählte Montagekonfiguration bestimmt, wie Lasten in das Getriebe eingeleitet und über dessen Gehäuse und Lagersystem weitergeleitet werden.
Dies beeinflusst wiederum die Eingangsgrößen für die Bewertung der Lagerlebensdauer.
Die technische Bedeutung eines Getriebeflansches ergibt sich aus seiner Funktion an drei kritischen Schnittstellen: der Ausrichtungs-, der Lastübertragungs- und der Dichtschnittstelle.
An der Ausrichtungsschnittstelle tragen Toleranzen der Zentrierschulter, wie sie beispielsweise in DIN 42948 festgelegt sind, dazu bei, die geometrischen Bedingungen für einen präzisen Zahneingriff zu erhalten.
An der Lastübertragungsschnittstelle tragen strukturelle Steifigkeit und Schraubenvorspannung dazu bei, das Reaktionsdrehmoment und äußere Lasten auf den Tragrahmen zu übertragen. Zugleich legen Einschränkungen wie jene in der Siemens-Betriebsanleitung die Grenzen zulässiger äußerer Belastungen fest.
An der Dichtschnittstelle füllen anaerobe Flächendichtmittel mikroskopisch kleine Spalte und tragen dazu bei, die Grenze zwischen dem Schmierstoff im Inneren und der äußeren Umgebung aufrechtzuerhalten.
Verschlechtert sich eine dieser Schnittstellen – sei es durch Verschleiß der Zentrierschulter, schlechten Kontakt der Montageflächen, Verlust der Schraubenvorspannung oder lückenhaften Dichtmittelauftrag –, beginnt der Ausfall selten damit, dass der Flansch selbst bricht.
Stattdessen können sich die Folgen durch das Antriebssystem fortsetzen und sich als Grübchenbildung an den Zahnrädern, Abplatzungen an den Lagern oder allmähliche Abweichungen der Positioniergenauigkeit zeigen.
Das Verständnis dieses Zusammenhangs macht ein wiederkehrendes Prinzip des Maschinenbaus deutlich: Grundlegende Verbindungselemente bestimmen nicht immer die maximale Leistung eines Systems, können aber unauffällig dessen tatsächliche Leistungsgrenzen festlegen.
Bei Präzisionsantriebssystemen wieHarmonikgetriebenundRV-Getriebensollte ein Flansch daher nicht lediglich als Befestigungselement bewertet werden, sondern als integraler Bestandteil der Ausrichtung, strukturellen Integrität und langfristigen Betriebssicherheit des Systems.
Mehr lesen
Erfahren Sie mehr über die Geschichte von HONPINE und Branchentrends im Zusammenhang mit Präzisionsantriebstechnik.
Doppelklicken
Wir bieten Harmonic-Drive-Getriebe,Planetengetriebe,Gelenkmodul,rotatorische Roboterantriebe,RV-Getriebe,Roboter-Endeffektor,geschickte Roboterhand